Themenblock A "Der Stand der Dinge"

Woher wir kamen; wo wir sind. 

Die Entstehung der Soziokultur hatte viele Motive: Ein überkommenes Kulturverständnis der Eliten, verkrustete Institutionen, die Anfänge der multikulturellen Gesellschaft; eine junge Generation, die den Geist der neuen Zeit atmete. Es gab Debatten, Diskurse, Dialektik. Aus Auflehnung wurde erst Initiative, dann Alternative, irgendwann selbst Institution.

Was ist von den Ansätzen und Theorien der 1960er- und 1970er-Jahre noch aktuell, was hat sich überlebt, was reüssiert? Was kommt nach dem alternativen Mainstream, den die Zentren heute darstellen und bedienen: Das langsame Vergehen einer Bewegung, die sich zu Tode gesiegt hat? Eine neue Generation von Machern mit neuen Inhalten und Formen? Ein ganz neues Ding mit anderen Formen von Sitz und Stimme?

Forum A1: "Mit Adorno zum Pro-Kopf-Umsatz"
Soziokultur zwischen Theorie und Bierverkauf

Welt verbessern oder Umsatz sichern? Beides? Die Realität ist ein Spagat: Zwischen den gesellschaftlichen, künstlerischen, politische Ansprüchen soziokultureller Arbeit und der Absicherung eines Geschäftsbetriebs, der Kunden bedient, Mitarbeiter und Künstler bezahlt. Das Forum stellt die Frage nach Motiven und Motivation in den Häusern der Soziokultur - und danach, ob das überhaupt noch ein Thema ist.  

Und nebenbei: Prämiert wird die 23igste Leitbilddiskussion und -erstellung.

Input: Norbert Sievers (Hauptgeschäftsführer Kulturpolitische Gesellschaft (KuPoGe) Bonn)
Podium: Norbert Sievers, Jochen Molck (zakk Düsseldorf), Dietlind Budde (AlarmTheater Bielefeld)
Moderation: Oliver Keymis (Vizepräsident des Landtags Nordrhein-Westfalen)


Forum A2: "Das. Ist. Unser. Haus!" – aber wem gehört die Stadt?
Die Rolle von Soziokultur und Freiräumen in der Stadtentwicklung

Das legendäre Rauch-Haus aus dem Song von Ton Steine Scherben, eigentlich das alte Bethanien-Hospital in Kreuzberg, wurde vor 40 Jahren besetzt - heute ein Ort der Kultur.

Auch in NRW gab und gibt es immer noch es starke Bewegungen für selbstbestimmte Räume. Von da ist der gedankliche Weg nicht weit zum Düsseldorfer zakk, zum Grend in Essen, vom Ringlokschuppen in Mülheim über die Börse in Wuppertal und der Schuhfabrik in Ahlen bis hin zu den neuen Freirauminitiativen, die "ihr Recht auf Stadt" einfordern.

Die neue Nutzung von Brachen und Leerständen sollte dabei nicht nur einzelne Gebäude oder Plätze wiederbeleben - sie war ein wichtiges Mittel der Stadtentwicklung und wurde häufig Teil der staatlich geförderten "Wohnumfeld – Verbesserung". Zahlreiche kulturelle und politische Initiativen fordern heute ihre eigenen Freiräume. Doch die Forderung nach der (Zwischen-)Nutzung von Leerständen stoßen bei Politik und Verwaltung meist auf Ignoranz und Unverständnis. Wie gehen heute Stadtentwicklung und der Wunsch nach Freiräumen zusammen? Die nach der Instandsetzung geschaffenen soziokulturellen Zentren sind heute wichtige Träger- und Förderer der freien Kultur- und Stadtteilarbeit und relativ etabliert. Hat dieses Konzept der 1970er Jahre heute noch Relevanz? Sind die Hoffnungen (Bürgerbeteiligung) von damals nun einer resignativen Skepsis gewichen? Welche neuen Ansätze und Strategien der Stadtentwicklung werden heute verfolgt? Das Forum befragt Ideengeber von damals und Aktivisten von heute zum Stadt- und Urbanitätsbegriff und zur Wirkung soziokultureller Initiativen im städtischen Raum.

Input: Jörg Siewert (Kulturberater, ehemals Referatsleiter Städtebauministerium NRW, Hannover)
Podium:
Jörg Siewert, Anne Grose (Bürgerzentrum Alte Feuerwache, Köln),
Kristin Schwierz (Recht auf Stadt Ruhr, Bochum)
Moderation: Reinhold Knopp (Fachhochschule Düsseldorf)

Forum A3: Etabliert - und das ist gut so!? Von der Bewegung zur Institution - oder
Soziokultur nach oder vor dem Marsch durch die Institutionen

Kinder, Altbauwohnung und ein Mittelklasskombi: Die prägenden Figuren der Soziokulturellen Zentren sind fest angestellt. Ihr Publikum sieht genauso aus. Ist das noch die berühmte-bemühte gesellschaftliche Realität? Die Soziokultur ist älter geworden, hat sich professionalisiert und in weiten Teilen - trotz ihrer fragilen Rahmenbedingungen -  feste Institutionen und Einrichtungen ausgebildet, die nicht mehr aus der kommunalen Kulturinfrastruktur wegzudenken sind. Gehören die soziokulturellen Zentren, auch Teile der freien Kultur, daher nun auch zu den etablierten Kultureinrichtungen - neben Schauspiel, Oper, Konzerthaus und Museum? Was bedeutet der Begriff "etabliert" eigentlich und - je nach Sichtweise - welche Bilder verbinden wir heute damit?  

Sind die Zentren und andere Kultureinrichtungen noch Brutstätten und offene Entfaltungsorte neuer gesellschaftlicher Strömungen und neuer Formen und Praxen auch außerhalb des kulturellen Mainstreams oder die hart verdiente Wohlfühloase müde gekämpfter Stürmerinnen und Dränger. Und wenn sich die Zentren und Kultureinrichtungen gesellschaftlich etabliert haben; was bedeutet das für ihre Rahmenbedingungen und ihre zukünftige gesellschaftliche Rolle und Funktion im Kulturbetrieb?

Podium: Cesy Leonard (Zentrum für Politische Schönheit), Jörg Stüdemann (Kulturdezernent und Kämmerer Dortmund), Susanne Müller-Jantsch (Pavillon Hannover)
Moderation: Marc Grandmontagne (Kulturpolitische Gesellschaft (KuPoGe), Bonn)


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