Werkhaus e.V. Krefeld

Was im März 1984 mit der Gründung des Werkhaus e.V. seinen Anfang nahm, ist heute eine Institution mit drei Standorten, die in ihren Ausrichtungen und in ihrer inhaltlichen Arbeit einen besonderen Stellenwert in Krefeld hat.

Als Kinder der Zeit realisierten engagierte Menschen 1984 in eigener Verantwortung, mit Mut und Entschlossenheit einen Traum selbstbestimmtem städtischen Lebens abseits der „etablierten“ Strukturen. Die jungen Künstler, Designer und Pädagogen fanden, dass in Krefeld zu wenig los sei, gemessen an anderen (Universitäts-) Städten wie Düsseldorf, Köln oder Münster.

Auf der Blücherstraße 11 – 13, der ehemaligen Verpackungsfirma Erwin Behn, wurden Räumlichkeiten in der Größe von 540 qm in Eigenleistung und auf eigene Kosten renoviert und umgebaut, die auch heute noch Standort der Vereinsarbeit sind.

Mit Eröffnung des Werkhauses auf der Blücherstraße am 1. September 1984 wurden ein kulturpädagogisches Weiterbildungswerk, die Jugendkunstschule und eine Kleinkunstbühne in Krefeld lebendig und zum festen Bestandteil der selbst-organisierten Kulturszene in der Stadt. In der ersten Zeit wurden die Angebote durch die Vereinsmitglieder selbst durchgeführt oder auf eigene Rechnung Künstler verpflichtet. Zuschüsse gab es zunächst nicht.

In den folgenden Jahren gelang es den Engagierten im Werkhaus trotz schwieriger politischer wie finanzieller Rahmenbedingungen nicht nur die wirtschaftliche Basis zu erhalten und weiter zu entwickeln, sondern sie setzten sozialgesellschaftliche wie kulturelle Akzente über die Kernarbeitsgebiete hinaus.

1985 und 1986 wurden für die Stadt Krefeld und mit ihr die ersten „Krefelder Straßentheatertage“ organisiert, regelmäßig die „Krefelder Frauenkulturtage“ veranstaltet und auch die Kulturrunde „Die Dritten“ mitbegründet.

Peter Wirtz und Monika Vehreschild, die auch jetzt noch Vorstandssprecherin des Werkhaus e.V. ist, stehen namentlich für diese intensive Zeit kultureller und sozialer Aufbruchstimmung und der Gründung von vielen Soziokulturellen Zentren, wie z.B. der KuFa und dem Werkhaus in Krefeld, dem zakk in Düsseldorf oder auch der Zeche Carl in Essen.

Das Werkhaus hat sein besonderes Gewicht immer in der Bildungs- und Quartiersarbeit gesehen. Konsequent ist ein wichtiger Bestandteil des Werkhauses die Kinder- und Jugendarbeit, die neben der Jugendkunstschule vorrangig in offener Quartiersarbeit auf dem Gelände des „SpieDie“ (Spielhaus Dießem) an der Dießemer Straße 89-93 geleistet wird.

Schon schnell nach der Aufnahme der Arbeit an der Blücherstr. zeigte sich ein großer Bedarf an Angeboten für die Kinder aus dem Viertel, die keine Kursgebühren zahlen konnten. Diese „offenen“ Angebote wurden im Laufe der Zeit immer weiter ausgeweitet von wöchentlichen zu täglichen Angeboten, bis die Räumlichkeiten an der Blücherstr. aus allen Nähten platzten. So war der Werkhaus e.V. froh, auf dem Platz an der Dießemerstr. die Möglichkeiten für die Herrichtung von Räumlichkeiten für die offene Arbeit zu finden. Auch hier wieder wurde in Eigeninitiative und Eigenfinanzierung auf brach liegendem städtischen Gelände zwischen 1989 und 1998 in unterschiedlichen Abschnitten die heutige „Offene Einrichtung“ für Kinder und Jugendliche des Quartiers mit Küche, Café, verschiedenen Arbeitsräumen und einer Mehrzweckhalle auf einem Spielplatz verwirklicht - ein Identifikationsort für mittlerweile mehrere Generationen im Stadtteil Cracau.

Existenzielle Bedrohungen, von denen kein soziokulturelles Zentrum bis heute verschont bleibt, waren 1987, 1993, 2000, 2010 durch die Teilstillegung der Blücherstraße wegen veränderter Brandschutzverordnungen und 2013/2014 aktuell durch erneute harte Kürzungen kommunaler Fördermittel für das Werkhaus besonderes gravierend, konnten jedoch bis ins jetzige Jahr 2015 abgewendet werden.

Den Abschluss der kleinen Entwicklungschronik des Werkhaus e.V. bildet die Übernahme der Trägerschaft des Südbahnhof auf der Saumstraße im Dezember 2008 zur Entwicklung eines interkulturellen und generationsübergreifenden Kulturzentrums und damit die Bestandssicherung des Kulturdenkmals Crefelder Südbahnhof (Bj. 1908).

Seit 2010, nach 1 ½  Jahren Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, arbeitet das Werkhaus nun auch im Südbahnhof und entwickelt das Kulturzentrum zu einem zentralen Kulturort nahe der Krefelder Innenstadt.